Andacht 1

Andacht 10.05.2020 zum Sonntag Kantate

über Kolosser 3,12-17 von Pf. Martin Schulz

Chorraum

Psalm 96

Singet dem Herrn ein neues Lied;
singet dem Herrn, alle Welt!
Singet dem Herrn und lobet seinen Namen,
verkündet von Tag zu Tag sein Heil!
Erzählet unter den Heiden von seiner Herrlichkeit,
unter allen Völkern von seinen Wundern!
Betet an den Herrn in heiligem Schmuck;
es fürchte ihn alle Welt!
Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich,
das Meer brause und was darinnen ist;
das Feld sei fröhlich und alles was darauf ist;
es sollen jauchzen alle Bäume im Walde
vor dem Herrn; denn er kommt,
denn er kommt, zu richten das Erdreich.
Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit
und die Völker mit seiner Wahrheit.
Amen

 


Lesung Kolosser 3, 12-17


So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld;
und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!
Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.
Und der Friede Christi, zu dem ihr berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar.
Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.
Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.
Amen.


Liebe Leserin, lieber Leser,
 

langsam reicht es!
Unruhig ziehe ich durch die Wohnung, denke an die alten Freiheiten und spüre, wie die Decke über immer tiefer hängt.
Nach langen Wochen der Zurückhaltung und des Zuhausebleibens stellt sich mehr und mehr Unruhe ein.
Viel zu langsam geht es zurück zur alten Normalität.
Wer würde nicht gerne losziehen, bei Freuden klingeln, zusammen grillen und sich ungezwungen unterhalten?
Wer würde nicht gerne wieder zusammen in einem Gottesdienst sitzen, zusammen fröhliche Lieder anstimmen, sich vor dem Altar treffen und sich die Hand zum Friedenswunsch reichen?
Trotz aller vorsichtigen Lockerungen und der Möglichkeit,
wieder Geschäfte aufsuchen, bald wieder zusammen so etwas wie Gottesdienst feiern zu dürfen, bleibt der fade Geschmack der Unzufriedenheit auf der Zunge.
Nichts läuft so, wie es soll. Was ich erwarte ist so anders als das was ich vorfinde. Das riecht geradezu nach reichlich Konfliktstoff.
 Auch über die Gemeinde im antiken Kolossae sind dunkle Wolken gezogen. Dort muss es richtig gekracht haben.
Das Miteinander muss von einem zufriedenen und von Verständnis gekennzeichneten Miteinander weit entfernt gewesen sein, wenn Paulus schreibt:
„ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander“.
 Wie geht der große Apostel also mit dieser widerspenstigen Gemeinde um? Hält er ihnen eine Standpauke? Oder eine Moralpredigt?
 Nein, da ist kein Wort einer Anklage über bestehende Missstände, kein Wort eines Vorwurfes
Da ist kein Machtwort, keine Standpauke, sondern nur Anregungen zu einem guten Miteinander und Mahnungen zum Guten.
 Das Grundrezept dazu fasst er in einem Satz zusammen:
„Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.“
All diese Missstände und Ärgerlichkeiten sollen überdeckt werden vom Mantel der Liebe.
Das heißt doch: mit der Unvollkommenheit leben, sie nicht ignorieren, aber anders mit ihr umgehen, nicht nach außen kehren, sondern mit noch wichtigerem überdecken.
So wie eine unschöne Tischoberfläche mit einem sauberen Tischtuch zu einer festlichen Tafel wird.
So wie ein unebener Untergrund gespachtelt, geglättet und mit guter Farbe zu einer anspechenden Oberfläche wird.
So, wie mit einschneidende Seuchenschutzgesetzen eingeschränkte Zeit mit gutem Willen, mit Kreativität und positiven Denken zu einer erfüllten Zeit verwandeln kann.
So können auch meine eigenen Macken, meine Unruhe und Unzufriedenheit sich grundlegend verändern nach einem guten Gespräch am Telefon, einem von Respekt und Zuwendung geprägten Miteinander, das neue Wege sucht und findet.
Selbst mit 1,5 m Abstand gibt es immer wieder erfreuliche Begegnungen in unseren Straßen und Gassen, die zeigen: Niemand ist alleine.
Alle sind wir miteinander verbunden, die wir auf den Namen des
dreieinigen Gottes getauft sind. Alle sind wir verbunden durch das Band der Liebe, wie es Paulus schreibt, das Gott selbst spannt zwischen Mensch und Mensch. Als Mensch Jesus Christus reiht er sich selber ein in dieses Geflecht,
in das Netzwerk der Kirche Jesu Christi.
Denn was gibt es schöneres, als Menschen um sich zu haben, die sich in dem Mensch gewordenen Gott verbunden fühlen, hier in unserem Gottesdienst, in unserer Gemeinde und allen anderen, denen wir tagtäglich begegnen.
Was gibt es schöneres, als das Leben zu genießen, das Gott uns schenkt, die Gesundheit zu schätzen, die Gott uns zuteilt, das Gute zu finden, das alle Missstände in den Schatten stellt.
Paulus denkt positiv, durch und durch.
Er sieht nach vorne, macht Mut, macht Laune, macht Hoffnung auf ein gutes Ende.
Lassen wir uns von ihm anstecken und anleiten zu einem mit Liebe und Zuwendung erfüllten Miteinander,
das weiter führt und sich nicht aufhalten lässt,
weder von einem unheimlichen Virus noch von finsteren Wolken, die kommen und davon fliegen, um der Sonne wieder Geltung verschaffen.
Lassen wir es scheinen, das Licht der Frühlingssonne ebenso wie das Licht der Liebe Gottes.
Amen.


Gebet

Herr, großer Gott,
in Dankbarkeit denken wir heute an unsere Mütter, die uns 
beschützt haben vor Bedrohungen und Gefahren
uns unendlich viel Liebe und Zuwendung gegeben haben.
In Dankbarkeit wenden wir uns an dich, der du uns jeden Tag aufs neue bewahrt und beschützt hast vor allem Argen
und der du uns jeden Morgen aufs neue aufrichtest und beschenkst mit Sonne, Frühling und deiner Liebe zum Leben.
Sei und bleibe bei allen, die das Schicksal getroffen, die krank in Betten liegen und um ihre Gesundheit kämpfen. Sende ihnen dein Heil, baldige Heilung und hilfsbereite Menschen.
Stärke und segne alle in der Medizin tätigen Hände;
stärke und segne alle unsere Schritte in die neue Woche.
Darum bitten wir, wenn wir mit der Christenheit der Welt gemeinsam beten:

Vater unser im Himmel!
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsre Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen
So segne und behüte uns Gott der Allmächtige und Barmherzige,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

BottonVideo
[Home] [Andachten] [Andacht 1] [Andacht 2] [Andacht 3] [Andacht 4] [Ostergottesdienst] [Aktuell] [Gottesdienste] [Konfirmanden] [Kinder] [Gruppen & Kreise] [Pfarrhaus-Café] [Ansprechpartner] [Links] [Impressum] [Datenschutz]