Andacht 3

Andacht zum Sonntag Rogate am 17.05.2020
über 1. Tim 2, 1-4

Psalm 66

Jubelt Gott zu, alle Völker der Erde!
Singt zur Ehre seines Namens,
rühmt ihn mit eurem Lobgesang!
Sagt zu Gott: »Wie überwältigend sind deine Taten!
Deine Feinde müssen sich vor dir beugen,
weil du so mächtig bist.
Alle Welt soll dich anbeten,
alle sollen dir singen,
dich mit ihren Liedern preisen!«
Kommt her und seht, was Gott getan hat!
Sein Tun erfüllt die Menschen mit Furcht und Staunen:
Für immer regiert er mit gewaltiger Macht,
er behält die Völker genau im Auge.
Wer wagt es, ihm die Stirn zu bieten?
Ihr Völker, werft euch nieder vor unserem Gott,
preist ihn mit lauter Stimme!

MaSchulz

von Pf. Martin Schulz

1. Brief des Paulus an Timotheus Kapitel 2, Verse 1-4:

Das Erste und Wichtigste, wozu ich die Gemeinde aufrufe, ist das Gebet, und zwar für alle Menschen. Bringt Bitten und Fürbitten und Dank für sie alle vor Gott!
Betet für die Regierenden und für alle, die Gewalt haben, damit wir in Ruhe und Frieden leben können, in Ehrfurcht vor Gott und in Rechtschaffenheit.
So ist es gut und gefällt Gott, unserem Retter.
Er will, dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und gerettet werden.

Liebe Leserin, lieber Leser!

Angeregt durch eine Fernsehsendung befällt mich das Reisefieber, ich denke an dieses großartige Land jenseits unserer eigenen Grenzen, gehe an den PC, rufe Google Earth auf und finde neben den Satellitenbildern eine Reihe von Fotos,
eines schöner als das andere von diesem traumhaften Fleckchen Erde, mein Horizont öffnet sich und ich blicke in diese mir vorher unbekannte neue Welt.
Die Bilder verstärken nur noch meine Sehnsucht und meine Phantasie, genau da hin einmal reisen zu wollen.
Die derzeitig noch gültigen Reisebeschränkungen holen mich aber schnell nach Hause zurück.
 In diesem Brief an Timotheus ist auch etwas enthalten, was
eine neue Welt öffnet.
Mir ist beim Lesen des Textes als erstes das Wort „alle“ aufgefallen. Es kommt in diesen wenigen Sätzen fünf mal vor:
„Vor allen Dingen sollen wir beten. Wir sollen für alle Obrigkeit und für alle Menschen beten, damit wir in aller Frömmigkeit leben können. 
Allen Menschen soll geholfen werden.
Und Jesus Christus hat sich gegeben für alle.“
Das sind erstaunliche Aussagen. Wenn wir uns vorstellen, um 130 nach Christus ist die christliche Gemeinde eine kleine religiöse Minderheit im römischen Reich. Und diese winzige Splittergruppe eine Abspaltung aus dem Judentum erhebt einen Anspruch, der alle Menschen umfasst. So alt dieser Text auf den ersten Blick auch klingt, er ist doch seiner Zeit weit voraus! Alle Menschen sollen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Mein eigener Glaube ist keine reine Privatsache sondern hat eine globale Dimension. Es geht nicht nur um mein eigenes Glück, sondern ich lebe mit anderen Menschen zusammen in der einen Welt. Geht es einem kleinen Euroland schlecht, hat das dramatische Auswirkungen auf Börsen aller Kontinenten. Die immer noch anhaltende Pandemie ist ein tragisches Beispiel dafür. Das Coronavirus macht auch vor geschlossenen Grenzen keinen Halt.
Heute feiern wir den Sonntag Rogate, heißt übersetzt: Betet!
Wenn ich mich im stillen Gebet an Gott wende, geht es nicht allein um mich und die, die ich kenne. Wende ich mich an Gott, dann spreche ich mit der höchsten globalen Instanz.
Jesus Christus ist zwar in einer abgelegenen Provinz am Rande des römischen Weltreiches gekreuzigt worden. Aber die Nachricht vom auferstandenen Jesus Christus macht vor keiner Grenzbefestigung Halt und hat längst die Hauptstadt Rom erreicht.
Paulus schreibt: Jesus Christus hat sich selbst hingegeben für alle Menschen. Mit dieser Überzeugung kann er sich nicht auf seine eigene Innerlichkeit zurückziehen. Selbst der innerlichste Akt des Gebets bezog sich immer auf die ganze Welt und nicht nur auf das eigene Gefühl.
Und so ist das für uns heute eben auch.
Wenn wir beten, dann tun wir nicht nur etwas für die eigene Seele. Wir entwickeln durch unser Gebet nicht nur eine persönliche Beziehung zu Gott. Wir tun sehr viel mehr.
Wir setzen uns selbst in Verbindung zur ganzen Welt.
Wir ordnen uns ein in ein Beziehungsgeflecht zwischen Menschen und Gott, dass mehr als Woltwiesche, Deutschland und sogar die ganze Christenheit umfasst.
Wir blicken auf die grünenden Bäume und danken Gott für den Frühling. Damit bringen wir uns in Verbindung mit der Natur, die uns umgibt und von der wir selbst ein Teil sind.
Es entsteht Vertrauen zu der Welt in der wir leben.
Ihre Schönheit rührt uns an.
Wir bitten Gott um Gerechtigkeit und um Nahrung für alle Menschen und schon sind wir nicht mehr gefangen in unserer eigenen Unzufriedenheit mit dem was wir besitzen.
Wir bitten Gott um Gesundheit und Heilung, und haben gerade erlebt, dass sich die Krankheit eines Einzelnen zu einer weltweiten Pandemie entwickeln kann.
Stellen Sie sich vor wir leben in einem riesigen Geflecht aus Gebeten, die Verbindungslinien ziehen, die sich zwischen Gott und allen Menschen erstrecken. Die einen sind kräftiger und stärker als die anderen, aber Gott hat niemanden aufgegeben, die Linien sind da. Und sie ziehen sich auch zwischen uns und den anderen. Wo wir im Gebet aneinander denken und an Gott denken, verstärken wir dieses Geflecht. Mit unseren Gebeten weben wir an diesem Netz zwischen allem, was lebt.
 Darum ist dies eine besondere Erfahrung des Betens. Wer betet merkt, er ist nicht mehr allein mit seinen Gedanken und Problemen. Er ist verbunden mit den Menschen um ihn herum, er ist verbunden mit allen, die auch die Hände falten; und er ist verbunden mit Gott, der höchsten globalen Macht und Instanz.
 Darum kann ich einen jeden nur ermutigen:
Tu es! Versuch es! Für dich im Stillen, oder mit denen bei dir zu Hause, auf jeden Fall mit der ganze Christenheit der Welt, wenn wir gemeinsam das Vater Unser vor Gott bringen.
 Jeder einzelne, jede einzelne, jedes Wort, jeder Gedanke ist wichtig.
Im Gebet ist niemand allein gelassen zu Hause.
Kein Gedanke bleibt für sich allein gelassen, sondern wird hinein genommen in das Ganze, in das globale Netzwerk der Verbindungen untereinander und zu Gott.
Haben Sie nicht auch Lust bekommen,
sich diesem globalen Netzwerk anzuschließen?
Wenn Ihnen diese neue Welt, die Welt Gottes gefällt
Wenn Sie so etwas wie Reisefieber gepackt hat,
dann kommen Sie mit; schließen Sie sich uns an.
Dann pflegen wir gemeinsam diesen direkten Draht zu unser aller Schöpfer,
zu Gottes unendlich gutem Willen in seiner unendlich weiten
Welt.
Amen.
 


Fürbittengebet
 

Herr, allmächtiger Gott,
ich will es versuchen, ein paar Worte zu finden.
So wende ich mich an dich.
Bitte schau mich an und verstehe meine Gedanken.
Nuimm ernst meine Sorgen, freu dich mit mir über mein Glück.
Sieh an die Not in der Welt,
so viele sind erkrankt und vom Tod bedroht.
Sende aus deiner Welt ein Zeichen der Heilung.
Sieh an die Einsamkeit derer, die sich allein gelassen fühlen,
erfülle sie mit deinem Geist der Gemeinsamkeit.
Sieh an die Farben deiner Schöpfung,
freu dich mit mir über alles, was gelingt.
Sieh an die Länder, in denen es vorne und hinten fehlt an reinem Wasser und gesunder Nahrung.
Hilf mir, bewusst zu leben und gerecht zu teilen, was du uns in meine Hände legst.
Sieh an das Werk deines Sohnes, das neue Leben nach Ostern, deine neue Welt des ewigen Lebens.
Lebe mit mir und mit allen,
die wir uns im Gebet mit dir und deinem Sohn verbunden fühlen.

So beten wir
– gemeinsam mit der Christenheit der Welt -
mit deinen Worten:
Vater unser im Himmel!
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsre Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.


So segne und behüte uns Gott der Allmächtige und Barmherzige,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

BottonVideo
[Home] [Andachten] [Andacht 1] [Andacht 2] [Andacht 3] [Andacht 4] [Ostergottesdienst] [Aktuell] [Gottesdienste] [Konfirmanden] [Kinder] [Gruppen & Kreise] [Pfarrhaus-Café] [Ansprechpartner] [Gemeindebrief] [Links] [Impressum] [Datenschutz]